Auswandern ist leicht – bis der erste Frühjahrsputz kommt
Mila SaxxShare

Frühjahrsputz ohne Drogeriemarkt
Die Sonne steht über dem Meer, die Fenster sind offen, und irgendwo duftet es nach Rosmarin und warmem Stein. Frühling im Süden. Eine wunderbare Jahreszeit. Alles wirkt leichter. Die Tage werden länger, die Luft milder, und irgendwann kommt dieser Moment, in dem man denkt: Jetzt wäre eigentlich ein guter Zeitpunkt für den Frühjahrsputz.
Früher in Deutschland war das ganz einfach.
Man schnappte sich die Einkaufstasche und fuhr kurz zum Drogeriemarkt. Vielleicht zu dm oder Rossmann. Ein schneller Abstecher, dachte man. Zehn Minuten maximal.
Eine Stunde später stand man an der Kasse mit drei verschiedenen Allzweckreinigern, zwei Schwämmen, einem Mikrofasertuch, das angeblich auch Raumstationen reinigen könnte, und einer Duftkerze, die „Frühlingswiese nach dem Regen“ versprach.
So begann der Frühjahrsputz.
Im Ausland läuft das etwas anders.
Natürlich gibt es auch hier Reinigungsmittel. Irgendwo. Meistens in einem Regal im Supermarkt zwischen Olivenöl und Katzenfutter. Drei Flaschen stehen dort zur Auswahl: eine blaue, eine gelbe und eine, bei der man nicht ganz sicher ist, ob sie für Fenster oder Motoren gedacht ist.
Man greift zur gelben. Sicherheitshalber.
Spätestens in diesem Moment merkt man, wie luxuriös deutsche Drogeriemärkte eigentlich sind. Diese endlos erscheinenden Regalreihen. Waschmittel in fünfzehn Duftvarianten. Reiniger für Glas, Stein, Holz, Edelstahl, Badfliesen, Küchenarbeitsplatten – und vermutlich auch für Dinge, von denen man gar nicht wusste, dass sie gereinigt werden müssen.
In Deutschland kann man theoretisch für jede Oberfläche einen eigenen Reiniger kaufen.
Natürlich nachhaltig, vegan, ohne Tierversuche und biologisch abbaubar.
Hier im Süden gilt eher das mediterrane Prinzip:
Eine Flasche (oft auch aus Glas) für alles.
Fenster, Boden, Tisch – manchmal auch das Auto.
Der Frühjahrsputz findet trotzdem statt. Die Sonne scheint auf die Terrasse, der Eimer steht bereit, der Lappen auch. Und während man die Fenster putzt, schaut man hinaus aufs Meer und denkt plötzlich an diese stillen Tempel des deutschen Alltags: Drogeriemärkte.
Orte, an denen man nie lange bleiben wollte – und am Ende doch durch jeden Gang geschlendert ist.
Man ging hinein, um Putzmittel zu kaufen.
Und kam heraus mit Shampoo, Waschmittel, Vitamintabletten, einer Handcreme und zwei Packungen Taschentücher, die man eigentlich gar nicht brauchte.
Heute steht auf dem Tisch nur eine kleine Flasche Reiniger aus dem Supermarkt. Sie duftet ein bisschen nach Zitrone. Oder vielleicht nach Spülmittel. Ganz sicher ist man sich nicht.
Der Frühjahrsputz funktioniert trotzdem.
Und plötzlich hat man sogar mehr Zeit für sich.
Ein deutscher Drogeriemarkt fehlt trotzdem.
Nicht, weil er spektakulär wäre.
Sondern weil er Teil des ganz normalen Lebens war.
Und vielleicht ist genau das das Merkwürdige am Auswandern.
Zwischen Olivenbaum und Putzlappen merkt man plötzlich:
Heimat steckt manchmal in sehr unerwarteten Orten.
7Momente Heimat – Für alle, die zwischen zwei Orten leben und in beiden zuhause sind.